„Die Verzahnung von Physio- und Ergotherapie, Rehabilitationssport und Selbsthilfegruppe sowie einem breiten Netzwerk von Experten bietet unseren Patienten beste Therapieergebnisse.“

Lena Koenen, Physiotherapeutin

Schlaganfall- und Neurotherapie

Besonders für Schlaganfallpatienten oder Patienten mit neurologischen Ausfällen ist die gezielte und kontinuierliche Physiotherapie enorm wichtig.

Wir passen die therapeutischen Maßnahmen ganz individuell an unsere Patienten an und begleiten sie in dem Prozess zur Wiedererlangung oder Verbesserung der Körperfunktionen. Denn unser Anliegen ist es, dass unsere Patienten möglichst selbständig ihren Alltag wieder meistern können.

Alle neuro-physiologischen Therapieverfahren können durch den Arzt verordnet werden, als Krankengymnastik KG-ZNS (Bobath) oder KG-ZNS (PNF) bzw. Ergotherapie (sensomotorisch-perzeptiv).

Bobath-Konzept

„So viel Hilfe wie nötig – so wenig Hilfe wie möglich!“ lautet der Leitsatz der Physiotherapeutin Bertha Bobath und des Neurologen Karl Bobath. Ziel der Behandlung ist die Stärkung der Eigenkompetenz des Patienten. Ausgangspunkt ist die Aktivität des Patienten. Diese wird innerhalb der Therapie verstärkt und bei Bedarf modifiziert. Dazu wird auf standardisierte Techniken verzichtet, vielmehr geht es um alltagsnahe Aktivitäten: Nahrungsaufnahme, Kommunikation, An- und Ausziehen, Fortbewegung und Transfer. Durch das Probieren und Wiederholen individueller Abläufe werden neue Verknüpfungen im Nervensystem angeregt und dadurch Bewegungen wieder erlernt. Gemeinsam mit dem Patienten und seinen Bezugspersonen werden spezifische Anleitungen zum Handling vermittelt. Lagerungs-, Sitz-, Steh- und Fortbewegungshilfen sowie andere Gebrauchsgegenstände werden an die individuellen Bedürfnisse angepasst. Körperliche Schäden, wie Kontrakturen, Luxationen und Deformitäten sollen somit verhindert werden.

Spiegeltherapie

Während der Spiegeltherapie sitzt der Patient vor einem stehenden Spiegel, wobei der gesunde Arm vor, der betroffene Arm hinter dem Spiegel platziert wird. Hierdurch wird der Eindruck erweckt, dass der gelähmte Arm im Spiegel zu sehen ist. Der gelähmte Arm, der sich hinter dem Spiegel befindet wird durch den Therapeuten geführt. Der Patient beobachtet seine Bewegung im Spiegel ohne auf der betroffenen Seite eine Bewegung auszuführen. Diese Illusion aktiviert für die Rehabilitation wichtige Hirnareale. Wenn der Patient die Möglichkeit hat, kann er die gelähmte Seite mitbewegen. Auf diese Weise können verschiedenste Bewegungen und Funktionen des Armes und der Hand trainiert werden. Bei Empfindungsstörungen kann die Spiegeltherapie zur Stimulation eingesetzt werden. Wir wenden die Spiegeltherapie u.a. bei Schlaganfallpatienten an.

Forced-Use Therapie

Die Forced-Use Therapie ist ein Verhaltenstraining, das hauptsächlich die Beweglichkeit der oberen Extremität (Arm, Hand, Finger) fördert. Viele Schlaganfall-Betroffene reagieren auf eine Halbseitenlähmung bei der Verrichtung von alltäglichen Bewegungen mit der verstärken Nutzung der nicht betroffenen Körperhälfte. Das führt zu einer Schonung der betroffenen Seite welches u.a. einen Rückgang der Muskelmasse zur Folge hat. Man spricht in diesem Fall von einem „gelernten Nichtgebrauch.“ Hier setzt die Therapie an. Der nicht betroffene Arm wird durch eine Schiene an der Bewegung gehindert. Der Gebrauch des betroffenen Armes wird somit gefördert bzw. forciert. Der Therapieansatz versucht das teilweise über Jahre erlernte Verhalten zu durchbrechen, und so das Schonverhalten zu überwinden.

Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF)

PNF wurde in den 1950er-Jahren von dem Neurophysiologen Dr. Herman Kabat und der Physiotherapeutin Margaret Knott in Kalifornien entwickelt. Die spezifischen Rezeptoren (Sensoren) in den Muskeln und Sehnen, Kapseln und Bändern, werden durch Zug und Druck, Entspannung und Spannung stimuliert und gestärkt. Diese Abläufe werden in festgelegten Reihenfolgen wiederholt, um den größtmöglichen Effekt zu erzielen. Einfache Bewegungen werden dann zu komplexen Bewegungsmustern verknüpft (Pattern), wodurch die Reize summiert werden. Dazu zählen propriozeptive (Muskel-, Gelenk-, Sehnenrezeptoren) wie exterozeptive (optische, akustische, taktile) Reize. Auf diese Weise wird das Zusammenspiel zwischen Rezeptoren, Nerven und Muskeln („neuromuskulär“) gefördert. Arbeiten diese gut zusammen, fallen auch alltägliche Bewegungen leichter („Fazilitation“).